Cecilie Løveid:
Roggen
Wenn ich ein Roggenfeld wär, keine Tochter, und duwärst ein Mann unterwegs-
Ich wäre so zeitig gesät und so weit gereift, dass der
Ostwind mich träfe, dass ich in Wellen käme.
Würdest du dann in meine Wellen kommen?
Ja, plötzlich hast du, wie in meinem Traum, in blauem
Anzug, mit schwarzem Vollbart und in Stulpenstiefeln an
meinem Rand gestanden.
Dann bist du bäuchlings über die Roggenspitzen geflogen,
nieddrig und so warm, dass es nach frischem Brot roch.
Ich öffnete mich an neuen Stellen, in vielen langen Wogen,
höheren Wellen. Da hast du im Flug auf die Uhr sehen
müssen. Wissen wollen, wie lange der Schwebzustand
schon anhielt.
Geknickte Halme seufzten unter deinem Gewicht, der
flatternde Körperabdruck im Fallaugenblick.
Aber ich besitze mehrere Morgen Land und eine Phanta-
sie, die unzählige Abenteuer überlebt hat.
Deutsch von Astrid Arz.
Von Cecilie Løveid Sug oder Das meer under den Brettern. Roman (orig. Sug)
Copyright 1984 by classen Verlag GmbH, Düsseldorf.